Kapitel 1 – Die Handtasche neben der Geburtstagstorte

Das erste Geräusch, das Vittorio Moretti hörte, war nicht das Weinen seiner Enkelin.

Es war die winzige silberne Krone, die auf den Marmorboden schlug.

Die Krone hüpfte einmal neben der riesigen Geburtstagstorte, drehte sich unter einem Tisch, der mit blassblauen Blumen bedeckt war, und kam dann kopfüber zum Liegen.

Die dreijährige Elsie Moretti stand eine halbe Sekunde wie erstarrt da.

Dann schlug Helena Morettis Hand ihr auf die Wange.

Das kleine Mädchen fiel rückwärts.

Keuchende Geräusche gingen durch das Geburtstagszimmer.

Niemand bewegte sich.

Helena blieb über Elsie in ihrem eleganten violetten Kleid stehen, die Perlen waren um ihren Hals perfekt arrangiert, als hätte sie beim Abendessen nur ein schlecht erzogenes Kind korrigiert.

“Freche kleine Mädchen müssen lernen zu warten.”

Elsies Gesicht verzog sich.

Ihr Schluchzen erreichte Vittorio.

Er überquerte den Raum, bevor jemand anderes den Mut fand zu reagieren.

“Elsie.”

Er hob seine Enkelin vom Boden und hielt sie an seine Brust.

Sie vergrub ihr nasses Gesicht an seiner Schulter.

Vittorio hatte vierzig Jahre damit verbracht, ein Imperium aufzubauen, von einer Baufirma mit drei Lastwagen zu Moretti Consolidated, einer nationalen Entwicklungsgruppe, die mehr wert war, als sich jeder in diesem Raum wohl vorstellen konnte.

Männer, die doppelt so groß waren wie Marcus, hatten ihre Stimmen gesenkt, als Vittorio Moretti einen Sitzungssaal betrat.

Aber mit Elsie war er anders.

Seine Hand ruhte sanft auf ihrem Hinterkopf.

“Dir geht’s gut”, flüsterte er. “Opa hat dich.”

Dann sah er seinen Sohn an.

Marcus stand nur wenige Schritte entfernt.

Er hatte alles beobachtet.

“Du hast einfach nur da gestanden und zugesehen?”

Marcus richtete die Manschette seines teuren grauen Anzugs.

Sein Gesichtsausdruck war angespannt statt beschämt.

“Sie ist nur dramatisch.”

Der Raum wurde still.

Elsie hob ihr Gesicht von Vittorios Schulter.

Ihre Stimme war kaum lauter als ein Flüstern.

“Opa.”

Vittorio sah sie an.

“Was ist los, Liebling?”

Ihr Blick wanderte an Marcus vorbei.

In Richtung Helena.

Etwas in Elsies verängstigtem Gesichtsausdruck veränderte sich.

Sie erinnerte sich.

Vittorio sah es.

Helena hat es auch gesehen.

Und zum ersten Mal an diesem Nachmittag sah Helena Moretti ängstlich aus.

Vittorio trat auf Marcus zu.

Jahre vergrabener Wut explodierten in ihm.

Seine Faust traf einmal Marcus’ Kiefer.

Marcus stolperte rückwärts gegen den Rand des Partytisches, stieß Teller, Gläser und Blumen auf den Marmorboden.

Die Gäste zerstreuten sich.

Helena stürzte sich vor.

“Vittorio, hör auf damit!”

Sie packte seinen Arm.

Vittorio drehte sich um, packte sie am Haar und schob sie nach vorne.

Helenas Gesicht verschwand in der Geburtstagstorte.

Der Raum brach in schockierte Schreie aus.

Vittorio ließ sie sofort los.

Er stand da und atmete schwer.

Die Wut verschwand fast so schnell, wie sie gekommen war.

Er blickte zu Elsie hinunter.

Für einen schrecklichen Moment fragte er sich, was sie gerade in ihm gesehen hatte.

Aber Elsie sah ihn nicht an.

Sie starrte Helena an.

Dann hob das kleine Mädchen langsam eine Hand.

Ihr Finger zeigte auf eine violette Ledertasche, die auf einem Stuhl neben dem zerstörten Kuchen lag.

“Oma hat es dort versteckt.”

Jeder im Raum wurde still.

Vittorio sah auf die Handtasche.

Helena hob ihr mit Zuckerguss bedecktes Gesicht.

Alle Farben verschwanden davon.

Marcus hörte auf, seinen verletzten Kiefer zu berühren.

“Elsie”, sagte Helena schnell, “du weißt nicht, wovon du redest.”

Elsie zog die Arme fester um Vittorio.

“Ich habe dich gesehen.”

Marcus machte einen Schritt auf den Stuhl zu.

Vittorio bewegte sich zwischen ihn und die Handtasche.

“Don’t.”

Marcus stopped.

The word had been quiet.

That made it more dangerous.

Vittorio carried Elsie to a nearby armchair and crouched beside her.

“Stay right here.”

She grabbed his hand.

“Don’t let Grandma take it.”

“I won’t.”

He crossed the room.

Helena wiped frosting from her eyes.

“This is absurd. That’s my private property.”

Vittorio picked up the handbag.

“Then you won’t mind opening it.”

“I absolutely do mind.”

Marcus suddenly stepped forward.

“Dad, this party is already out of control.”

Vittorio studied him.

“You weren’t concerned about control when your mother hit your daughter.”

Marcus said nothing.

Vittorio opened the handbag.

Inside were ordinary things.

A wallet.

Lipstick.

Keys.

A silk handkerchief.

A small perfume bottle.

Then his fingers touched something wrapped inside a pale gray scarf.

He knew the scarf.

He had given it to someone four years earlier.

His daughter-in-law Sofia.

Elsie’s mother.

Vittorio slowly removed the bundle.

Marcus whispered, “Mom.”

Helena backed away.

Vittorio unfolded the scarf.

A black cell phone rested inside.

The screen was cracked diagonally across one corner.

Vittorio stopped breathing.

Sofia Moretti had died eleven months earlier after her car crashed through a guardrail outside Westchester County.

Police reports stated that most of her personal belongings had been destroyed in the resulting fire.

Her phone had never been recovered.

Vittorio looked at Helena.

“Where did you get this?”

Helena stared at the phone.

Marcus’s face had gone gray.

“It isn’t Sofia’s,” Helena said.

Vittorio turned it over.

A small faded sticker remained on the case.

A blue bird.

Elsie had put it there herself.

Sofia had laughed when her daughter covered the back of her expensive phone with children’s stickers.

Vittorio remembered the photograph.

Sofia holding the phone.

Elsie proudly pointing at the blue bird.

His hand began trembling.

Marcus finally spoke.

“Dad, listen to me.”

“No.”

“You don’t understand.”

“Then explain.”

Marcus looked toward Helena.

That single glance was enough.

Vittorio looked down at the phone again.

“Why has your dead wife’s missing phone been hidden in your mother’s handbag for eleven months?”

Marcus swallowed.

Helena suddenly reached for it.

Vittorio pulled his hand away.

“Give it to me,” she snapped.

Elsie’s voice came from behind him.

“Grandma said Daddy should’ve broken it.”

Silence.

Marcus turned toward his daughter.

“What?”

Elsie shrank into the chair.

Vittorio immediately moved toward her.

“Nobody is angry with you.”

Elsie stared at Marcus.

“I heard Grandma.”

“When?”

“In Daddy’s room.”

Helena shook her head violently.

“She’s three years old.”

Elsie continued.

“Grandma said Daddy should’ve broken Mommy’s phone.”

Marcus whispered, “Elsie, stop.”

Vittorio turned.

“Don’t you tell her to stop.”